Berufungskomissionen

Relativ wichtige Komissionen sind sogenannte Berufungs- oder Nachfolgekomissionen. Sie werden immer dann eingesetzt, wenn ein Professor in Rente geht und die dadurch freiwerdende Stelle neu zu besetzen ist. Ein solches Nachfolgeverfahren ist sehr zeitaufwändig.

Zunächst tritt die Komission ein erstes Mal zusammen, um einen Stellenausschreibungstext zu entwerfen, der, nachdem er vom FBR verabschiedet worden ist, in einschlägigen Fachzeitschriften (u.a. Physik Journal) veröffentlicht wird. Ist die Bewerbungsfrist abgelaufen beginnt die wirkliche Arbeit der Komission. Beim zweiten Zusammentreffen der Komission wird entschieden, welche Bewerber das notwendige Profil für die zu besetzende Stelle mitbringt. Es wird dabei sowohl das wissenschaftliche Hervortreten als auch die Lehrerfahrung der Kandidaten beleuchtet. Die 5 bis 10 aussichtsreichsten Kanditaten werden zu Bewerbungs- bzw. Vorstellungsvorträgen eingeladen.

Die nächste Aufgabe der Komission besteht darin, sich die Vorträge der Eingeladenen anzuhören. Im Anschluss an jeden Vortrag trifft sich die Komission mit dem jeweiligen Kandidaten zu einem Gespräch. In diesem Gespräch geht es um Vorstellungen in Forschung und Lehre, die der entsprechende Kandidat umsetzen möchte, falls er den Ruf auf die Stelle erhalten würde. Nachdem alle eingeladenen Bewerber vorstellig gewesen sind trifft sich die Komission, um aus diesen Personen erneut die aussichtsreichten herauszufiltern. Über diese, für die Professur höchst in Frage kommenden Bewerber (3 bis 5) werden Gutachten von renomierten deutschen und internationalen Forscherpersönlichkeiten eigeholt. In diesen Gutachten sollen die Gutachter die wissenschafliche und lehrtechnische Leistungsfähigkeit der Kandidaten beurteilen.

Auf Grundlage dieser Gutachten erstellt die Komission bei ihrer nächsten Sitzung eine Liste (Reihenfolge), wer den Ruf auf die Professur erhalten soll. Diese Liste wird dem FBR vorgelegt, denn nur der FBR kann die Liste rechtswirksam beschließen. Vom FBR geht die Liste weiter an den Senat (höchstes Gremium der Universität). Der Senat muss die Liste ebenfalls absegnen damit diese an das Kultusministerium weitergeleitet wird. Aus dem Kulutsministerium ergeht schließlich der Ruf an die auf Position 1 auf der Liste stehende Person. Sollte diese Person den Ruf nicht annehmen, so erfolgt der Ruf an die auf Position 2 stehende Person usw.

Die Arbeit in einer Nachfolgekomission ist zwar einerseits relativ zeitaufwändig, da Komissionsmitglieder einer solchen Komission bei den Vorträgen der Kandidaten und allen Sitzungen der Komission anwesend sein sollten. Auf der anderen Seite ist die Arbeit in einer solchen Komission hochinteressant, da man zum Einen viel über die Art und Weise lernt, wie ein Wissenschaftler Professor wird, und zum Anderen mit darüber entscheidet was für eine Art Mensch viele Studenten "ertragen" werden müssen. Da einige Professoren gerade die Lehre eher stiefmütterlich behandeln ist es wichtig, dass besonders die studentischen Vertreter hier ein Auge darauf haben.